Studentenverhaal

Ina Sauerland - BSc Biotechnologie

Dies ist ein Erfahrungsbericht von Ina, die seit 2013 in Wageningen Biotechnologie studiert. Solltest du noch Fragen haben kannst du ihr eine Email an Ina.Sauerland@wur.nl schreiben.

Hat man Fragen oder Probleme gibt es einen Begleiter den man dann fragen kann oder nette Mitstudenten, die es einem auch nicht übel nehmen, wenn man noch nach dem passenden Wort sucht oder einfach nach Englisch wechselt

Meine Entscheidung für ein Studium an der Wageningen University

Breit angelegter Studiengang

Auf die Uni Wageningen bin ich eher zufällig aufmerksam geworden. Am Anfang haben mir der gute Ruf der Uni und die breite Basis im Studiengang selbst gut gefallen. Oft ist es so, dass man sich bereits bei Studienbeginn auf ein bestimmtes Feld der Biotechnologie spezialisiert.  Da ich aber die Möglichkeit haben wollte mich erst später entscheiden zu müssen kam mir die Uni Wageningen mit dem breiten Angebot sehr entgegen. Man bekommt so eine breite Basis von der man sich dann entwickeln und spezialisieren kann. Dadurch, dass erst im zweiten Jahr Wahlmöglichkeiten gegeben werden, muss man sich nicht von vornherein entscheiden und festlegen. Den meisten zur Wahl stehenden Gebieten begegnet man im Laufe des ersten Jahres. Daher kann man an diesem Punkt durchaus beurteilen ob einem diese und jene Richtung liegt und Spaß macht und hat so  eine Basis aufgrund der man sich dann entscheiden kann. Ich selbst werde mich wohl für die Richtung Mikrobiologie entscheiden, da mir dieser Bereich bis jetzt am besten gefallen hat.

Moderne Ausstattung

Des Weiteren haben mich die modern eingerichteten Labor- und Unterrichtsräume überzeugt. Da konnte man wirklich sehen wofür die Studiengebühren ausgegeben wurden und werden, denn der Campus verändert sich ständig.

Das „Periodensystem“

Einige für mich ausschlaggebende Punkte waren außerdem:  Das Jahr ist hier in sogenannte Perioden aufgeteilt. Im Abstand von ungefähr 6 Wochen bekommt man eine Woche zum Lernen frei damit man sich gut auf die in der folgenden Woche liegenden Prüfungen vorbereiten kann. Dort wird dann das Wissen aus der zurückliegenden Periode abgefragt. Die Woche Darauf beginnt dann die nächste Periode. So kann man sich immer auf den aktuellen Stoff konzentrieren.

Hoher Praxisbezug

Ein weiterer Punkt ist der hohe Praxisbezug im Vergleich zu Deutschland. Hier an der Uni Wageningen werden Theorie und Praxis stark vernetzt, so kann man die Theorie gleich anwenden. Dies macht zum einen sehr viel Spaß und zum anderen fällt es einem deutlich leichter die Theorie zu verstehen und zu lernen. Fast jede Periode steht man im Labor und darf in kleinen Gruppen oder sogar Partner- und Einzelarbeit verschiedene Experimente ausführen. Hat man Fragen oder Probleme gibt es einen Begleiter den man dann fragen kann oder nette Mitstudenten, die es einem auch nicht übel nehmen, wenn man noch nach dem passenden Wort sucht oder einfach nach Englisch wechselt.

Meine Zweifel

Ebenso wie viele Andere, die vor der Entscheidung stehen wie es nach dem Abitur weitergehen soll hatte ich Zweifel und ich denke dies ist auch völlig normal und gut so. Ich selbst war mit den mir zu Verfügung stehenden Informationen zu der Annahme gelangt das Biotechnologie als gewählter Studiengang  für mich die geeignete Wahl sei. Bei der Wahl der Universität war ich mir hingegen absolut unsicher. Die Informationen die ich gesammelt hatte ließen den Schluss zu, dass die Wageningen University eine sehr gute Uni ist. Doch ich war ehrlich gesagt noch sehr skeptisch ob dies eine gute Wahl für mich sein würde.

Angst vor der Niederländischen Sprache

Da mir Sprachen nicht so liegen, schien mir der vierwöchige Sprachkurs mit anschließender Prüfung wie eine große Hürde. Ältere Studenten versicherten mir, dass dieser auch ohne eine große Sprachbegabung zu schaffen sei, ein gewisser Restzweifel blieb dennoch. Obwohl die Sprache mit Abstand meine größte Sorge war gab es auch noch andere Faktoren die mich verunsicherten den Schritt in ein Studium an der Wageningen University zu wagen.

Weg von Familie und Freunden

Zum einen würde ich Freunde und Familie zurücklassen, doch nüchtern betrachtet würde dies so oder so geschehen, denn zumindest meine Freunde würden ebenfalls zum Studieren weggehen. Außerdem  gibt es heutzutage die Möglichkeit mit Hilfe der modernen Technik (Handy, Skype, Facebook etc.) in regelmäßigem Kontakt bleiben zu können.

Und dann noch Finanzen und Versicherung

Zum anderen war die finanzielle Seite ein Fragezeichen. Wie würde ich das Leben im Ausland und das Studium nebst Studiengebühren finanzieren können? Wenn ich zu Hause bliebe würden Studiengebühren nicht anfallen und wenn ich einen geeigneten Ort im näheren Umkreis zum Studieren fände könnte ich auch zu Hause wohnen bleiben.

Bei näherer Betrachtung dieses Aspektes tauchten nach und nach immer weitere Faktoren auf. Würde ich mich selbst versichern müssen? Wie sieht es im Krankheitsfall aus? und wie würde man möglichst kostengünstig zwischen zu Hause und Wageningen reisen können? Bei der Recherche zur Beantwortung dieser offenen Fragen stieß ich auf verschiedene Möglichkeiten die rein finanzielle Seite abdecken zu können. Es gibt die Möglichkeit Stipendien zu bekommen, Studienkredite auf zu nehmen oder Bafög zu beantragen. Die letzte Möglichkeit war mir vorher gänzlich unbekannt, da ich davon ausging, dass nur Ausbildungen innerhalb Deutschlands gefördert werden. Doch wie es sich zeigte, fördert der deutsche Staat auch Ausbildungen im Ausland.

Im Falle der Krankenversucherung stellte sich heraus, dass ich in beiden Fällen über meine Eltern abgesichert bleiben konnte, es würden also keine zusätzlichen Kosten entstehen.

Gute Entscheidung

Mit dem guten Gefühl abgesichert zu sein, blieben also nur noch meine persönlichen Bedenken. Diese relativierten sich wie oben schon einmal erwähnt im Gespräch mit älteren Studenten. Die verliebenden Restzweifel würden bleiben, doch mit der Rückendeckung meiner Eltern könnte ich diesen großen Schritt in ein eigenständiges Leben im Ausland und in das Studium dort wagen. Also fasste ich den Mut diesen Schritt tatsächlich zu gehen und habe ihn bis jetzt zu keiner Zeit bereut.

Das Studentenleben in Wageningen

Wageningen ist trotz seiner hohen Studentenanzahl ein recht kleiner und gemütlicher Ort. Je nach Lust und Laune kann man am Wochenende aber auch unter der Woche verschiedene Sachen unternehmen.Gemeinsam Musizieren, zum Sport gehen, Partys und Fahrradtouren, aber auch einfach mal mit Freunden einen Film ansehen stehen bei vielen Studenten ganz oben auf der Aktivitätenliste.  Ich selbst treibe gerade am Wochenende viel Sport und nutze das sehr vielfältige Angebot von dem Sportcenter de Bongerd oder musiziere mit Freunden. Egal für welche Aktivität man sich auch entscheidet man lernt eigentlich immer neue Leute kennen. Das Schöne an Wageningen ist die hohe Internationalität so kommen oft sehr interessante Gespräche zustande und ganz nebenbei übt man auch noch seine Sprachkenntnisse.

Fazit

Ohne jemals an einem anderen Ort oder etwas anderes studiert zu haben, kann ich jedem mit einem Interesse an Biologie, Chemie und Mathe das Biotechnologiestudium an der Wageningen UR empfehlen. Ich selbst hatte einige Bedenken hierherzukommen und kann daher Jedem nur raten zum Tag der Offenen Tür und einem individuellen Schnuppertag zu kommen. Meine eigenen Zweifel haben sich nämlich in Gesprächen mit älteren Studenten relativiert und einige haben sich im Nachhinein auch als unbegründet erwiesen.

Wenn ich mich heute noch mal für ein Studium an der Wageningen University entscheiden müsste würde ich ohne zu zögern zusagen.